MVO Chronik |
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Als nach dem Krieg 1914 – 1918 die Menschen aus der schlimmsten Not herauskamen, die elementaren Daseinssorgen nicht mehr so sehr drückten, war es wieder möglich, ein Leben zu führen, das den Menschen eher entspricht; musisches Tun, das lange Zeit fast verbannt war, wurde wieder gepflegt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass in jener Zeit Vereine gegründet wurden, die sich der Pflege der Musen und der Kultur verpflichteten. Die Begeisterung dafür war allerorts vorhanden, materielle Sorgen hielten jedoch noch von gewagten finanziellen Vorhaben ab. Eine „Kostprobe“ aus dem Protokollbuch des Musikvereins Oberrimsingen-Grezhausen kann die damalige Situation erhellen:
„Als am Ostermontag, dem 18.4.1927 der Musikverein Grunern mit seinen neuen Instrumenten hier mit einem Konzert aufwartete, reifte aus dem Gedanken ein Entschluss: hiesige junge Leute konnten sich entschließen, am darauffolgenden Sonntag, dem 24.4., die uns angebotenen Instrumente zu besichtigen. Zwar wurde von hiesigen Einwohnern vor einem solchen Schritt gewarnt, aber dem Vorhaben konnte kein Einhalten mehr geboten werden. Von einem festen Willen beseelt, wurde noch am 24.4. die Reise nach Grunern unternommen. Etwa 10 hiesige Bürgersöhne hatten sich Herrn Zollsekretär Schäfer angeschlossen und mit Fahrrädern den Weg angetreten. Auf dem Weg dorthin hat sich ein Fachmann auf dem Gebiete der Musik – ein Freund von Herrn Schäfer – angeschlossen und hat bei der Besichtigung den Ankauf der Instrumente empfohlen. Nach der Besichtigung sowie der Prüfung wurde mit der Vorstandschaft des Musikvereins Grunern in Verhandlungen zwecks Kaufes eingetreten. Im weiteren Verlauf derselben machte sich eine große Hartnäckigkeit von Seiten des Verkäufers bemerkbar, und schließlich wurde noch sein Plan ausgeführt. Laut Kaufvertrag wurden die Instrumente dann zum Preis von 500,-- RM angekauft, wofür Zollsekretär Schäfer die Bürgschaft übernahm. Ganz begeistert für einen Musikverein wurde die Heimreise angetreten. Sämtliche Instrumente wurden mitgenommen, und unterwegs wurde im Gasthaus „Zum Löwen“ in Staufen eingekehrt. Dem Wunsche der Gäste, ein Musikstück vorzutragen, konnte von den noch allzu jungen Musikanten nicht entsprochen werden. Nach einer kleinen Stärkung wurde freudig der Heimat entgegengefahren. Durch einen Umzug mit den gekauften Instrumenten durch alle Straßen des Dorfes wurde die hiesige Einwohnerschaft ganz überraschend in Kenntnis gesetzt, dass die zur Besichtigung geeilten Leute diesen Schritt – trotz Warnungen – noch gewagt haben. Nach Beendigung desselben wurden die Instrumente in Vereinbarung mit der Gemeindebehörde auf dem hiesigen Rathaus bis auf weiteres aufbewahrt. Am 8. Mai 1927 – also 14 Tage später – wurde zur Gründung des Vereins in einer Versammlung im Bürgersaal des hiesigen Rathauses geschritten. Es war erfreulich, dass sich zahlreiche hiesige Bürger dazu eingefunden hatten.“ Als Vorstand wurden in dieser Gründungsversammlung gewählt:
Als Vertreter der passiven Mitglieder wurden als Beiräte gewählt:
Sorgen bereiteten die Beschaffung des Geldes für die angeschafften Instrumente und entsprechendes Notenmaterial. Eine Sammlung in der Gemeinde Oberrimsingen und der damals noch selbständigen Gemeinde Grezhausen erbrachte den Betrag von 722,-- RM, für die damaligen Verhältnisse war dies erstaunlich viel. Begeisterung und Wagemut fanden also Anklang bei der Bevölkerung. Nur mühsam gelang es, einen tüchtigen Dirigenten zu finden. In Herrn Schieß aus Bad Krozingen fand man einen musikbegeisterten aber auch strengen Stabführer. Im Juli 1927 wurde der erste Vorstand, Zollsekretär Schäfer, nach Freiburg versetzt. Die Mitgliederversammlung wählte Herrn Georg Zeller als Nachfolger. Nach drei Monaten schon, am 7.8.1927, spielte anlässlich des Patroziniumsfestes die Musikkapelle zum ersten Mal in der Öffentlichkeit.
Schon im ersten Jahr ihres Bestehens ließ die Musikkapelle, die damals 19 Mitglieder hatte, keine Gelegenheit aus, bei kirchlichen, vereinsmäßigen und privaten Anlässen sowie bei Veranstaltungen der politischen Gemeinde öffentlich aufzutreten. In diesen Anfangsmonaten wagte man es bereits bei Musikfesten und Konzerten in den Nachbarorten zu musizieren, unter anderem auch in Breisach. Auffallend ist die Geschlossenheit und Einmütigkeit der örtlichen Vereine. So wurden beispielsweise die jährlichen Generalversammlungen von Militärverein, Männergesangverein und Musikverein gemeinsam veranstaltet. Offensichtlich waren es immer dieselben aktiven Mitbürger, die in jedem Verein mitwirkten. Im Jahr 1934 übernahm Herr Schillinger aus Bad Krozingen den Dirigentenstab beim Musikverein Oberrimsingen-Grezhausen. Ein Jahr später begann der hiesige Lehrer Karl Wehrle seine Tätigkeit als Dirigent. Die Eintragungen im Protokollbuch enden dann mit dem Vermerk, dass ab September 1939, zu Beginn des 2. Weltkrieges, die Tätigkeiten des Musikvereines fast völlig erlahmten. Nur bei wenigen Anlässen, z.B. bei Beerdigungen, fanden sich einzelne Musiker zusammen, um Vereinskameraden das letzte Geleit zu geben. So wurde H.H. Pfarrer Wachenheim, der am 3.3.1945 bei einem Bombenangriff auf unser Dorf ums Leben kam, auch von den wenigen noch im Dorf verbliebenen Musikern zum Grab geleitet. Die meisten der aktiven Musiker wurden zur Wehrmacht einberufen. Sieben Aktive kehrten nicht mehr zurück. Der bisherige Schriftführer, Josef Ott, starb am 1.11.1941 infolge einer schweren Verwundung in Rußland. Dies war die erste Todesnachricht von der Front, die auch die Musiker mit tiefer Trauer erfüllte. Zuverlässig hatte Josef Ott das Protokollbuch geführt, dem auch ein großer Teil dieses Berichtes entnommen ist. Beim bereits erwähnten Bombenangriff auf Oberrimsingen wurden viele Instrumente beschädigt. Andere gingen in den Kriegswirren verloren, der größte Teil war reparaturbedürftig. Der Wiederaufbau des Musikvereins Oberrimsingen nach 1945 bereitete noch größere Schwierigkeiten als bei der Erstgründung. Es war wohl der Wille zum Neubeginn vorhanden, aber das Geld als Zahlungsmittel hatte nur geringen Wert. Es gab ohne besondere Beziehungen nichts zu kaufen. Nur 5 ehemalige Musiker verblieben dem Verein nach dem Kriege, aber viele junge Talente lernten begeistert Notenlesen und Musizieren. Dies geschah bereits unmittelbar nach Kriegsende. Besonders sei erwähnt, dass durch die Bemühungen des aktiven Musikers Andreas Weismann die noch vorhandenen Musikinstrumente ausgebessert wurden. Er war es auch, der die jungen Musiker ausbildete und die Dirigententätigkeit übernahm. Vereinsrechtlich war der Musikverein Oberrimsingen-Grezhausen nach den Vorschriften der Militärregierung aufgelöst. Begeisterte Musikfreunde – unter vielen seien die Namen Julius Müller, August Ott, Adelbert Dockweiler und Josef Hensle genannt, die sehr intensiv die Neugründung des Musikvereins betrieben – wurden auf den verschiedenen Ämtern bei der Militärregierung vorstellig und erhielten unter Beachtung bestimmter Erfordernisse die Genehmigung, den Musikverein neu zu gründen. Zu dieser neuen Gründungsversammlung hatte der Vorsitzende des Gründungsausschusses, Julius Müller, auf Sonntag, den 25.4.1948, eingeladen. Die Versammlung begann mit einem geschichtlichen Rückblick. Man gedachte der gefallenen, vermissten und verstorbenen Vereinsmitglieder. Der bisherige Vorsitzende, Georg Zeller, dankte allen, die in schwieriger Zeit bewahrten und sammelten, was für die Volksmusik gut und wertvoll war. In geheimer Wahl wurde von den 31 anwesenden Gründungsmitgliedern ein neuer Vorstand gewählt. Ihm gehörten an:
Georg Zeller wurde zum Ehrenvorstand ernannt. Der Verein erhielt jetzt den Namen „Musikverein Oberrimsingen“, da die früher selbständige Gemeinde Grezhausen im Jahre 1936 der Gemeine Oberrimsingen angegliedert wurde. Dirigent war für kurze Zeit Herr Gromhoff. Nach mehrmaligen Versuchen gewann man schließlich den alten Dirigenten Herrn Schieß aus Bad Krozingen wieder. Das erste öffentliche Auftreten des neu gegründeten Vereins war ein erfreulicher Anlass: Der 1. Vorsitzende, Herr Adelbert Dockweiler, wurde zum Bürgermeister gewählt. Selbstverständlich brachte ihm die Musikkapelle ein Ständchen. Schon im ersten Jahr nach der Neugründung zeigte sich der Verein sehr aktiv. Etwa 20 Mal trat die Kapelle bei verschiedensten Anlässen öffentlich auf. Wiederum ist der Chronik zu entnehmen, dass das Verhältnis, das die Vereine zueinander hatten, sehr freundschaftlich war und im Zeichen der gegenseitigen Hilfe stand. Weihnachtsfeiern und viele gesellige Veranstaltungen wurden gemeinsam begangen. Im Jahre 1950 musste Herr Schieß aus beruflichen Gründen die Dirigententätigkeit beim Musikverein Oberrimsingen abgeben. Seine Nachfolge trat Herr Stäublin aus Mengen an. Unter seiner Stabführung wagte sich der kleine Verein auch an anspruchsvolle Musikstücke heran. Es wurden nicht nur die verschiedenen verpflichtenden Anlässe abgewartet um öffentlich aufzutreten, der Verein selbst veranstaltete Konzerte und lud zu eigenen Vereinsfeiern ein. Die Musikkapelle erhielt Einladungen zu vielen Musikfesten in der näheren und weiteren Umgebung. Ein Höhepunkt im Vereinsleben war das Jubiläumsfest zum 30jährigen Bestehen des Musikvereins. Der Festplatz wurde im Schloßpark Oberrimsingen hergerichtet, der in dankenswerter Weise von Herrn Rektor Kiehn vom Christophorus Jugendwerk zur Verfügung gestellt wurde. Am Vorabend des 5. Mai 1957 fand das Festbankett statt. Mit Böllerschüssen und Marschmusik begann am frühen Morgen der Festtag. Nach dem feierlichen Gottesdienst, dessen Besucher die Oberrimsinger Pfarrkirche kaum aufnehmen konnte, gedachte die Festgemeinde der Verstorbenen des Vereins. Festpräsident Georg Zeller legt einen Kranz an der Ehrentafel nieder. Am Nachmittag bewegte sich ein prunkvoller Festzug mit 16 Musikkapellen durch das geschmückte Dorf. Eine besondere Sehenswürdigkeit waren die vielen von Pferden gezogenen Festwagen. Im Schloßpark wurde anschließend ein Konzert veranstaltet. Am 25.2.1961 begleitete der Musikverein sein Gründungs- und Ehrenmitglied Julius Müller, der sich um den Musikverein sehr verdient gemacht hatte, hinaus auf den letzten Weg auf den Friedhof Grüningen. Eine Woche später musste der Musikverein seinem verstorbenen 1. Vorstand, Bürgermeister Adelbert Dockweiler, das letzte Geleit geben.
Bei der nächsten Generalversammlung am 23.4.1961 wurde Alfred Schmidt zum 1. Vorstand gewählt. Besondere Aktiität zeichnete in dieser Zeit den Verein aus. Schon 1962 wurde das nächste große Fest veranstaltet. Dem Verein wurde eine Vereinsfahne zum 35jährigen Bestehen vom hiesigen Jagdpächter Herrn v. Felbert aus Sempach in der Schweiz gestiftet. Dies war Anlass, wieder ein dreitägiges Fest zu feiern, an dem viele Musikkapellen aus der näheren und weiteren Umgebung unseres Dorfes mitwirkten.
Der Schloßpark wurde erneut als Festplatz gewählt. Vom 13.-15. Mai 1966 veranstaltete die Trachtenkapelle Niederrimsingen ein internationales Treffen von Trachtenkapellen. Die Musiker der Grenadiermusik aus Zürich waren Übernachtungsgäste in unserem Dorf. Als Dank für die hervorragend empfundene Gastfreundschaft bot sich die Grenadiermusik an, im nächsten Jahr beim 40jährigen Vereinsjubiläum mitzuwirken. 1967 wurde dann das 40jährige Bestehen selbstverständlich gebührend gefeiert. Ein großes Festzelt wurde errichtet. Das Fest erhielt internationalen Glanz durch den Besuch der Grenadiermusik aus Zürich. Die Trachtenkapelle aus Niederrimsingen, die Züricher Kapelle und die Jubiläumskapelle traten gemeinsam auf. Noch wochenlang erzählte man sich von dieser Demonstration echter mitreißender Blasmusik, die an diesem Jubiläumsfest zu hören war. Dieses Fest war der absolute Höhepunkt im bisherigen Vereinsleben. Die Festschrift wurde, wie auch zum Fest der Fahnenweihe, wieder von Gemeinderat Georg Bohrer zusammengestellt. Vorstand Alfred Schmidt bat in der Generalversammlung am 21.1.1968 ihn von seinem Amt zu entbinden. Nach langwierigen Bemühungen willigte endlich Gemeinderat Pius Zeller ein. Er wurde einstimmig zum 1. Vorstand gewählt. Des Öfteren bat Dirigent Stäublin darum, einen neuen Dirigenten zu suchen. Aus Gesundheits- und Altersgründen wollte er seine Tätigkeit als Dirigent nunmehr aufgeben. Herr Trunz übernahm dann die Musikkapelle. Da es schon lange an Musikernachwuchs fehlte und Herr Trunz sich bereit erklärte Jungmusiker auszubilden, entschloss man sich eine Jugendkapelle zu gründen. Dank der Opferbereitschaft einiger Eltern und einer gelungenen Spendenaktion konnten am 29.1.1969 an 22 Buben neue Instrumente ausgegeben werden. Nach erfolgreicher Probenarbeit des Dirigenten und unter aufopfernder Mithilfe der aktiven Musikkameraden Hermann Weismann und Hermann Wolf konnten die Jungmusiker nach einer kurzen Zeit von nur acht Wochen in der Generalversammlung am 30.3.1969 zum ersten Mal öffentlich auftreten. Im März 1969 führte der Musikverein eine Mitgliederwerbeaktion durch. Es konnten 42 fördernde Mitglieder dazu gewonnen werden. Am 30.3.1969 beschloss man, eine neue Vereinssatzung anzunehmen und den Verein ins amtliche Vereinsregister eintragen zu lassen. In dieser Versammlung bat Ehrenmitglied und Vereinsrechner Johann Müller aus Altersgründen ihn von seinen Verpflichtungen als Rechner zu entbinden. 42 Jahre lang hatte Johann Müller dieses Amt gewissenhaft ausgefüllt. Vorstand Zeller fand sehr herzliche Dankesworte für dieses uneigennützige Mühen. Im Oktober 1969 wurde erstmals ein Wunschkonzert veranstaltet, welches bis zum vergangenen Jahr insgesamt 31 mal jeweils im Hebst durchgeführt wurde und als musikalischer Höhepunkt des Vereinsjahres gilt. Ab dem Jahre 1970 beteiligte sich sowohl die Musikkapelle als auch die Jugendmusik mit guten Erfolgen an Wertungs- und Kritikspielen. Das Jahr 1970 stand auch im Zeichen von Dirigentenwechseln. Anfangs des Jahres dirigierte noch Herr Trunz. Sein Nachfolger wurde Herr Fröhlich aus Freiburg. Ab dem 1.1.1971 übernahm dann Herr Philipp Rauck den Taktstock. Die Zahl der aktiven Musiker in der Oberrimsinger Musikkapelle wurde immer größer. Das bisherige Probelokal, der Bürgersaal im Rathaus Oberrimsingen, war schon längst zu klein. Die Proben wurden inzwischen im Schulhaus abgehalten. Diese Lösung konnte auch nicht befriedigen. Der Musikverein strebte ein eigenes, genügend großes Probelokal an. Es war der Vorstand des Musikvereins, Pius Zeller, der in einer Gemeinderatssitzung den Anstoß gab, den Dreschschopf an der Hausener Straße zu einer Mehrzweckhalle auszubauen. Diese neue Tuniberghalle wurde am Sonntag, den 7.11.1971, eingeweiht. Durch die Erstellung dieser Halle ist dem Musikverein und auch anderen Vereinen die Möglichkeit gegeben, größere Veranstaltungen wie Konzerte und Feiern durchzuführen. Die große Bühne dieser Mehrzweckhalle wurde für die nächsten 25 Jahre zum Proberaum der Musikkapelle.
Ein zweiter großer Schub brachte das Jahr 1972 mit über 20 jugendlichen Musikanten, die – anfangs noch ohne Instrument – von Philipp Rauck ausgebildet wurden und überwiegend bereits an Weihnachten 1972 in die Kapelle integriert werden konnten. Vom 29. April bis 1. Mai 1973 war die Musikkapelle Viktoria 08 Ober-Roden aus der Heimat des Dirigenten Philipp Rauck mit ca. 60 Personen zu Gast in Oberrimsingen. Trotz der kurzen Zeit des Zusammenseins wurden zwischen Gästen und Gastgebern viele freundschaftliche Bande geknüpft. Im Mai 1974 erfolgte der Gegenbesuch der Oberrimsinger Musiker in Ober-Roden. Im Januar des Jahres 1976 gründeten etwa 20 jugendliche Musiker eine Tanzabteilung, die in den folgenden Jahren zu verschiedenen Anlässen immer wieder mit Tanz- und Unterhaltungsmusik bei den Veranstaltungen des Musikvereins, aber auch bei auswärts auftrat. Die Initiative kam von einem leidenschaftlichen Musiker, der 1973 in Oberrimsingen sein Haus gebaut und auch gleich der Kapelle als Bassist beitrat. Dieser Musiker war Eugen Lorenz und sollte in den kommenden Jahrzehnten maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Musikvereins haben. Er war es auch, der mit dieser „kleinen Besetzung“ in zusätzlicher Probenarbeit die Musikstücke einstudierte und die Leitung übernahm. Mit einem großen 4-tägigen Musikfest feierte der Musikverein vom 17. – 20. Juni 1977 sein 50jähriges Jubiläum, wobei der Trainingsplatz des Sportvereins als Festgelände diente. Höhepunkt war der Festumzug mit 14 Kapellen und den Majorettes aus dem elsässischen Munster. Den Jubiläumsfeiern ging am 10. Juni ein Festbankett voraus, das für den beliebten Dirigenten Philipp Rauck der letzte Auftritt mit seinen Musikern sein sollte. Im September 1977 erlag Rauck einem Krebsleiden. Zuvor hatten sich die Musiker, auf dem Heimweg von einem Musikfest in Buchenbach, noch mit einem Ständchen im Park des Diakonissen-Krankenhauses Freiburg von ihm verabschiedet. Im Oktober 1977 übernahm dann Alfed Wohlhüter, Hornist am Stadttheater Freiburg, die musikalische Leitung der Kapelle. Unter seiner Stabführung reifte der Klangkörper der Kapelle weiter. Auch die unter Philipp Rauck so erfolgreich praktizierte Ausbildung der Jungmusiker wurde von Wohlhüter nahtlos fortgeführt, so dass die Kapelle zeitweise auf über 60 Musiker anwuchs. In der Generalversammlung vom 12.03.1978 bat der 1. Vorsitzende Pius Zeller aus beruflichen Gründen um eine Entbindung von seinem Amt.
Auch der 2. Vorsitzende Alfons Müller zeigte sich nach 18 Jahren amtsmüde und verzichtete auf eine erneute Kandidatur. Als Nachfolger konnten das passive Vereinsmitglied Ludwig Vetter (1. Vorsitzender) und der aktive Musiker Eugen Lorenz (2. Vorsitzender) gewonnen werden. Daneben war Lorenz auch Vizedirigent der Kapelle und Leiter der Tanzabteilung. Musikalischer Höhepunkt der frühen 80iger Jahre war das Weihnachtskonzert 1981 unter Mitwirkung des Oberrimsinger Kirchenchores. Um den Kirchenchor zu verstärken, hatte insbesondere der aktive Musiker Hermann Weismann im Ort geworben und nahezu 70 Sängerinnen und Sänger für die Idee begeistert, so dass nach einigen Proben zusammen mit der Musikkapelle ein anspruchsvolles und stimmgewaltiges Konzert zur Aufführung kam. Vorsitzender Vetter war zwischenzeitlich zum Ortsvorsteher von Oberrimsingen gewählt worden und stellte wegen der damit verbundenen Arbeitsbelastung in der Generalversammlung vom 7. März 1982 sein Amt zur Verfügung. Nachdem zunächst kein Nachfolger für Ludwig Vetter gefunden werden konnte, übernahm Eugen Lorenz kommissarisch das Amt des Vereinsvorsitzenden bis zu einer außerordentlichen Generalversammlung am 06.06.1982, bei der dann Lorenz zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde.
Ab dem Jahr 1983 kam zu den traditionellen Konzerten im Herbst und an Weihnachten ein 3. Konzert im Frühjahr hinzu, bei dem zusätzlich Gastkapellen mitwirkten. Allerdings setzte sich dieses Frühjahrskonzert im engen Terminkalender nicht auf Dauer durch und wurde letztmalig in 1986 durchgeführt. Weit erfolgreicher gestaltete sich die Widerauflage der früheren Feste im Park des Rimsinger Schlosses. Im August des Jahres 1984 fand das 1. Schloßpark-Fest statt. Diese 3-tägige Veranstaltung zieht seither jährlich Mitte Juli zahlreiche Festbesucher aus Nah und Fern in den Schloßpark und hat sich neben den traditionellen Konzerten, den Mitgliedsbeiträgen und Spenden zu einem weiteren finanziellen Standbein des Musikvereins entwickelt. Musikalischer Höhepunkt der Ära Wohlhüter war ein Konzert am 9. Juni 1985 im Kursaal von Bad Krozingen vor über 500 begeisterten Zuhörern, bei der die Kapelle über sich hinaus wuchs und welchem eine glänzende Kritik in der Badischen Zeitung folgte. In der Zeit vom 26. – 29. Juni 1987 feierte der Verein das 60jährige Jubiläum im Festzelt vor der Tuniberghalle mit einem Konzert von 9 Gastvereinen und einem bunten Heimatabend.
Höhepunkt war wiederum ein Festumzug mit 13 Gastkapellen durch die Straßen des festlich geschmückten Ortes. Im Juni 1988 übernahm dann Otto Georg Widmann, ebenfalls Berufsmusiker am Freiburger Stadttheater, die Leitung der Kapelle. Die Ausbildung der Jungmusiker wurde der Jugendmusikschule Westlicher Kaiserstuhl-Tuniberg übertragen. Widmann gelang es, das Niveau der Kapelle auf hohem Niveau zu festigen und im Laufe der Jahre den Klangkörper durch die Integration von 5 F-Hörnern anstelle der ungeliebten Es-Hörner weiter zu verbessern. Die Kapelle erreichte ihren bisherigen Höchststand von 66 aktiven Musikern.
Zu den bisher größten musikalischen Erfolgen der Vereinsgeschichte zählt die Teilnahme am Wertungsspiel des Blasmusikverbandes Kaiserstuhl-Tuniberg am 12. Mai 1996, als die Musiker unter Dirigent Widmann in der Oberstufe einen hervorragenden „1. Rang mit Belobigung“ erreichten. Eine Freundschaft mit den Kapellen aus Mitterfels und Steinach (Niederbayern) führte zu drei 3-tägigen Reisen (1988, 1990 und 1995) in den Bayerischen Wald, während die Musiker aus Bayern zu 2 Gegenbesuchen (1988 und 1998) in Oberrimsingen weilten. Weitere Ausflüge führten 1991 für 4 Tage nach Rivazzurra di Rimini (Italien) und 1999 für 3 Tage nach Düsseldorf und Köln. Der seit vielen Jahren geäußerte Wunsch nach einem eigenen Probelokal fand 1992 auch bei der Stadt Breisach Gehör. Während der nächsten beiden Jahre nahmen die Pläne und die Finanzierung in zahlreichen Gesprächen mit der Stadtverwaltung konkrete Formen an, so dass am 13.08.1994 mit einem 2-geschossigen Anbau an die Tuniberghalle begonnen werden konnte. Das gesamte Bauvolumen für den neuen Proberaum war mit ca. 460.000 DM veranschlagt. Abzüglich des Zuschusses der Stadt Breisach von 222.000 DM hatte der Verein eine Eigenleistung in Höhe von 240.000 DM zu erbringen. Mit Geld- und Materialspenden von Vereinsmitgliedern und verschiedenen Firmen sowie durch schier unglaublichen Arbeitswillen der aktiven und passiven Mitglieder um Vorstand Eugen Lorenz entstand ein Probelokal, um das der Musikverein Oberrimsingen von vielen Vereinen beneidet wird. Nach ca. 5.000 geleisteten Arbeitsstunden konnte die neue Heimstatt der Musiker am 30.06.1996 feierlich eingeweiht werden. Mit dem Weihnachtskonzert am 26.12.1999 legte der beliebte Dirigent Otto G. Widmann nach 11 ½ musikalisch erfolgreichen Jahren auf eigenen Wunsch den Taktstock nieder, um seinen beruflichen Ruhestand im Kreise seiner Familie zu genießen. Seinen Beschluss hatte er frühzeitig – nämlich bereits 1 Jahr zuvor – der Vorstandschaft mitgeteilt und gleichzeitig mit Herrn Werner Erhart einen bestens geeigneten Nachfolger empfohlen, der – wie sich bereits nach kurzer Zeit abzeichnete – das musikalische Erbe von Widmann nahtlos fortführen sollte. Zum Zeichen des großen Dankes wurde Otto G. Widmann zum Ehrendirigenten des Musikvereins ernannt. Mit Herrn Erhart, ebenfalls Berufsmusiker am Freiburger Stadttheater, verbindet uns heute eine tiefe Freundschaft und die Gewissheit, dass das erreichte Leistungsvermögen der Kapelle auch künftig gewahrt werden kann. In den vergangenen 75 Jahren hat der Musikverein Oberrimsingen das gesellschaftliche und kulturelle Leben unseres Dorfes begleitet und bereichert. Von den widrigen Umständen im Krieg und in der Nachkriegszeit abgesehen, hat sich der Verein sowohl hinsichtlich der Mitgliederzahl als auch der musikalischen Leistung immer aufwärts entwickelt.
Wünschen wir ihm, dass diese stetig positive Entwicklung auch in Zukunft anhält! Thomas Müller
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